Sir Roger Norrington zum 75.
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR
Leonidas Kavakos (Violine)
Sir Roger Norrington (Dirigent)
Alban Berg: Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels”
Franz Schubert: Sinfonie Nr. 9 C-Dur D 944
Tickets: € 49 / 44 / 39 / 34 / 29 / 24 / 19 / 15
Schüler und Studenten: € 10,-
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Sir Roger Norrington, einer der bedeutendsten Dirigenten unserer Zeit, wird 75 Jahre alt. Dies ist der Anlass für das Sonderkonzert, das er am 21. März gemeinsam mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart in der Philharmonie Berlin gibt.
Roger Norrington hat sich seit über 40 Jahren einen Namen mit seinem historisch informierten Aufführungsstil gemacht. „Historisch informiert“ insofern, als er sein großes Wissen um die Stilistik der verschiedenen Epochen vom Barock bis zur Moderne auf Phrasierung und Artikulation eines „modernen“ Sinfonieorchesters überträgt. Ihm gelingt so die Synthese einer präzisen Klanggebung, wie sie die historische Aufführungspraxis vorgibt, mit der hochentwickelten Klanglichkeit und Spieltechnik heutiger Orchester. Das verblüffende Ergebnis ist mittlerweile unter dem Begriff Stuttgart Sound bekannt und hat dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart, dessen Chefdirigent Sir Roger seit 1998 ist, eine Vorreiterrolle bei der zeitgemäßen Interpretation des klassisch-romantischen Repertoires verschafft.
Zentral für das unverwechselbare klangliche Profil des RSO Stuttgart sind Orchesteraufstellung, Instrumentation, Artikulation, Phrasierung und Stilistik, die variabel eingesetzt zu einem differenzierten Klangbild der Werke der jeweiligen Komponisten und ihrer Zeit führen. Mittlerweile hat Sir Roger mit seinen Interpretationen bereits die Moderne erreicht. Insbesondere erstaunt dabei die hohe, neuartige Qualität seiner Interpretationen jenseits des Kerngebiets der sogenannten Alten Musik.
Stark spürbar wird dieser besondere Klang auch in der großen C-Dur-Symphonie von Franz Schubert. Sie gehört zu den größten Herausforderungen der Konzertliteratur. Schon Robert Schumann war begeistert von dem zukunftsweisenden Werk: Im Anfange wohl wird das Glänzende, Neue der Instrumentation, die Weite und Breite der Form, der reizende Wechsel des Gefühlslebens, die ganz neue Welt, in die wir versetzt werden, den und jenen verwirren aber man fühlt überall, der Komponist war seiner Geschichte Meister, schrieb er 1839 an Mendelssohn, der die Symphonie noch im selben Jahr im Gewandhaus zu Leipzig zur Uraufführung brachte und damit elf Jahre nach Schuberts Tod ihren Siegeszug in die Konzertsäle der Welt auslöste.
Das Violinkonzert von Alban Berg Dem Andenken eines Engels zählt wegen seiner lyrischen Gesanglichkeit zu den beliebtesten Werken des Komponisten und das, obwohl es sich dabei um das erste zwölftönige Violinkonzert der Geschichte handelt. Gewidmet ist das Werk Manon Gropius, der Tochter von Alma Mahler und Walter Gropius. Der Tod des erst achtzehnjährigen Mädchens hatte auch den Komponisten tief getroffen.
Solist des Abends ist der griechische Spitzengeiger Leonidas Kavakos. Seine Interpretation von Bergs Violinkonzert findet international höchste Anerkennung: Der bewundernswerte Mr. Kavakos spielte die teuflisch schwierigen Passagen mit einer beeindruckenden Klarheit und Vitalität, urteilte die New York Times, eine hinreißend ideale Aufführung schwärmte der Philadelphia Inquirer.
Das Festkonzert in Deutschland bildet den Abschluss einer Europatournee, die das RSO Stuttgart nach Luxemburg (15.3.), London (16.3.), Wien (17.3.), Thessaloniki (19.3.), Athen (20.3.) und nach Berlin (21.3.) führt.
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Sir Roger Norrington stammt aus einer musikalischen Familie in Oxford. Bereits in jungen Jahren spielte er Geige und sang. Norrington studierte Geschichte an der Westminster School und englische Literatur an der Universität Cambridge. Schließlich kehrte er zu seinen musikalischen Studien an das Royal College of Music in London zurück und begann eine professionelle Karriere als Sänger und Dirigent. Im Jahre 1962 gründete er den Schütz Choir, der sich in seiner Zeit großes Ansehen erwarb und viele Schallplatten aufnahm. 1969 wurde Sir Roger Norrington als musikalischer Leiter der Kent Opera berufen, für die er in fünfzehn Jahren über vierhundert Vorstellungen leitete mit einem Repertoire von über vierzig verschiedenen Opern. Die London Classical Players gründete er 1978, um die Aufführungspraxis mit Originalinstrumenten in der Zeit von 1750 bis 1900 zu erforschen. Somit verließ er das Kernrepertoire der historischen Aufführungspraxis und schaffte den Vorstoß zur Moderne in diesem Bereich. Das Orchester erntete viel Lob, insbesondere für seine legendäre Gesamteinspielung der Beethoven-Sinfonien. Aufnahmen der Werke von Haydn, Mozart, Beethoven, Mendelssohn, Schubert, Schumann, Brahms, Wagner und Bruckner vermitteln den Hörern eine eindrucksvolle Vorstellung dieser Stücke im Spiegel ihrer Zeit.
Seit den 1980er ist Sir Roger Norrington als Gastdirigent sehr gefragt. In Großbritannien arbeitete er am Opernhaus Covent Garden und an der English National Opera, mit dem BBC Symphony und dem Philharmonia Orchestra, London Philharmonic sowie dem Orchestra of the Age of Enlightenment. Ferner war er Chefdirigent der Bournemouth Sinfonietta. In Europa leitete er u.a. die Berliner Philharmoniker, die Wiener Philharmoniker, das Concertgebouw Orchester, das Orchestre de Paris und in den USA die Orchester in New York, Washington, Boston, Chicago, Cleveland, Philadelphia, San Francisco und Los Angeles.
Seit 1998 ist Sir Roger Norrington Chefdirigent des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR. In gleicher Funktion war er bis Sommer 2006 auch bei der Camerata Salzburg tätig. An beiden Wirkungsstätten hat er einen historisch informierten Aufführungsstil etabliert, der ihm sehr am Herzen liegt. Dazu gehören alle Anforderungen, die das Musizieren mit historischen Instrumenten jedoch in einem »modernen« Umfeld stellt. Berücksichtigt werden dabei die angemessene Anzahl von Instrumentalisten, die historisch korrekte Aufstellung, Bogenführung, Phrasierung, das Tempo und die Artikulation, wobei dem ursprünglich reinen Ton eine entscheidende Bedeutung zukommt, der das im 20. Jahrhundert üblich gewordene Dauervibrato ersetzt.
Die Ergebnisse sind verblüffend. Das RSO Stuttgart hebt sich dadurch vom Gros der Orchester ab und hat sowohl an seinem Standort als auch auf Tourneen begeisterte Anhänger gefunden. Norringtons Beethoven-Zyklus mit dem RSO Stuttgart erstaunt alle, die ihn hören. Die Live-Mitschnitte von Mozart-Sinfonien mit dem RSO sind unlängst mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet worden.
Nicht weniger inspirierend sind die Einspielungen von Berlioz, Schubert, Mendelssohn, Schumann, Brahms, Tschaikowsky, Elgar und Mahler, bei denen mit variablem, reinen Ton, ausdrucksvoller Phrasierung und transparentem Orchesterklang gespielt wird. Sir Roger Norrington lädt häufig andere Orchester dazu ein, mit seiner historischen Zielsetzung zu experimentieren. Gegenwärtig indes ist das RSO Stuttgart weltweit führend auf diesem Gebiet.
Leonidas Kavakos gehört zur internationalen Spitze seines Faches. Aufmerksam auf das große Talent des Geigers wurde man, als er 1985 den Sibelius- und drei Jahre später den Paganini-Wettbewerb gewann. Einladungen zu den renommiertesten internationalen Festivals ließen nicht lange auf sich warten, ebenso wie Konzerte mit internationalen Spitzenorchestern. Seit Anfang der Saison 2007/08 ist Leonidas Kavakos künstlerischer Leiter der Camerata Salzburg, nachdem er sechs Jahre Principal Guest Artist des Orchesters gewesen ist. Zu seinen jüngsten Auszeichnungen gehört der Premio Abbiati Preis in Bergamo.
Der bewundernswerte Geiger (New York Times) tritt weltweit mit namhaften Orchestern und unter renommierten Dirigenten auf. So gab und gibt er beispielsweise Konzerte mit dem Israel Philharmonic unter Zubin Mehta, dem Gewandhausorchester Leipzig unter Riccardo Chailly, dem Philadelphia Orchestra unter Christoph Eschenbach, dem London Symphony Orchestra unter Valery Gergiev sowie den Münchner Philharmonikern unter Christian Thielemann.
Auf dem Gebiet der Kammermusik ist er in der Saison 2008/2009 gemeinsam mit Elisabeth Leonskaja in Rotterdam, London, Paris, Madrid und verschiedenen Städten in Deutschland zu hören. Zu seinen weiteren kammermusikalischen Aktivitäten gehören Konzerte in Quartett- und Sextett-Besetzungen in verschiedenen europäischen Städten. Kavakos’ Zusammenarbeit mit der Camerata Salzburg eröffnet ihm die Möglichkeit, mit diesem renommierten Ensemble Programme zu entwickeln und diese sowohl als Solist als auch als Dirigent aufzuführen, bisher in den verschiedensten Städten Europas, z.B. bei den BBC Proms in London. Im April 2009 findet das von Sándor Végh ins Leben gerufene Festival „Begegnung“ der Camerata Salzburg statt, zum zweiten Mal unter der künstlerischen Leitung von Leonidas Kavakos. Das vielfältige Repertoire des Geigers spiegelt sich auch in seiner Diskographie wider: Er hat zahlreiche Werke solo und mit namhaften Orchestern und Ensemblepartnern aufgenommen, darunter Kompositionen von Bach, Paganini, Debussy, Sibelius, Enescu und Hindemith. Für seine Aufnahmen hat er u.a. den Gramophone Concert Award gewonnen.
Kavakos spielt eine Falmouth Stradivarius von 1692 und eine Giovanni Battista Guadagnini von 1782 (Turin).
Seit seiner Gründung im Jahr 1945 hat das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR eine rasante Entwicklung und einen enormen künstlerischen Aufschwung genommen. Heute ist dieses Orchester einer der bedeutendsten musikalischen Botschafter des Landes. Pro Saison spielt es rund 90 Konzerte in Stuttgart und im Sendegebiet des SWR; es gastiert in nationalen und internationalen Musikzentren und bei internationalen Festspielen, darunter seit über 50 Jahren bei den Schwetzinger Festspielen. Ergänzt wird die Konzerttätigkeit durch zahlreiche Studioproduktionen für Radio und Fernsehen des SWR sowie für den Tonträgermarkt. Auf dem SWR-eigenen Label »SWR music« sind die Ergebnisse seiner Arbeit aus Gegenwart und Vergangenheit umfangreich dokumentiert.
Seit Bestehen des RSO Stuttgart fokussiert sich die Ausrichtung auf zwei thematische Schwerpunkte: Zum einen wird das große klassisch-romantische Repertoire der sinfonischen Tradition in exemplarischen Interpretationen gepflegt, zum anderen setzt sich das Orchester mit Nachdruck für die zeitgenössische Musik und selten gespielte Werke und Komponisten ein. Viele bedeutende Komponisten, darunter Strawinsky, Hindemith, Boulez, Henze, Penderecki, Lachenmann, Kagel, Ruzicka und Pintscher haben ihre eigenen Werke in Konzerten des RSO Stuttgart dirigiert. In der Konzertreihe »attacca Geistesgegenwart.Musik« finden junge Komponisten der Avantgarde ein Podium, ihre musikalischen Klangvorstellungen und Experimente zu realisieren.
Große Solisten waren und sind dem RSO verbunden: Maria Callas, Mstislaw Rostropowitsch, Maurizio Pollini, Arturo Benedetto Michelangeli, Yehudi Menuhin, Alfred Brendel, Henryk Szeryng, Christian Tetzlaff, Hélène Grimaud, Anne-Sophie Mutter, Rolando Villazon, um nur einige zu nennen.
Hans Müller-Kray und Carl Schuricht arbeiteten als erste Dirigentenpersönlichkeiten mit dem RSO regelmäßig zusammen. Renommierte Gastdirigenten in den ersten Jahren waren Sir John Barbirolli, Karl Böhm, Ferenc Fricsay, Wilhelm Furtwängler, Erich Kleiber und Hans Knappertsbusch. Später kamen Sir Georg Solti, Giuseppe Sinopoli, Herbert Blomstedt und Kurt Sanderling hinzu.
Sergiu Celibidache, dem Orchester seit 1958 verbunden, wurde von 1972 bis 1982 künstlerischer Leiter und entwickelte durch seine ebenso intensive wie suggestive Probenarbeit ein neues Klangideal, das die Spielkultur wegweisend für viele Jahre prägte und das RSO in die internationalen Spitzenorchester einreihte. Mit Celibidache konzertierte das RSO erstmals auf den Podien der großen Musikzentren.
Sir Neville Marriner, ab 1983 Chefdirigent in Stuttgart, weitete die Konzerttätigkeit auf internationale Tourneen aus und nahm mit dem Orchester über 80 Schallplatten auf. Seit 1989 widmete sich Gianluigi Gelmetti verstärkt dem Repertoire der italienischen und französischen Musik. Mit Georges Prêtre, der 1996 die künstlerische Leitung übernahm und bis heute Ehrendirigent des RSO ist, trat erneut eine charismatische Musikerpersönlichkeit an die Spitze des Klangkörpers.
Seit 1998 ist Sir Roger Norrington Chefdirigent des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR. Norringtons Arbeit in Stuttgart ist im wesentlichen zwei thematischen Leitlinien verpflichtet: Zum einen widmet er sich den Komponisten der Wiener Klassik bis hin zur Spätromantik, zum anderen nimmt er die zentralen Werke der englischen und skandinavischen Sinfonik in das Repertoire des RSO Stuttgart auf. Norrington ist es gelungen, dem Orchester ein ganz unverwechselbares Profil durch die Verbindung von historisch informierter Aufführungspraxis mit den Mitteln eines modernen Sinfonieorchesters zu verleihen. Schwerpunkte seiner Arbeit mit dem RSO sind Zyklen mit Werken von Mozart, Beethoven, Berlioz, Mendelssohn Bartholdy, Schumann, Brahms, Bruckner und Mahler sowie zahlreiche Auftritte im Rahmen des Europäischen Musikfestes Stuttgart. Etliche Konzerte wurden als live-Mitschnitte auf CD oder DVD veröffentlicht und mit internationalen Schallplattenpreisen ausgezeichnet.
Seit Beginn der Saison 2004/2005 ist Andrey Boreyko Erster Gastdirigent des Radio- Sinfonieorchesters Stuttgart. Er widmet sich vor allem dem sinfonischen Schaffen von Dmitrij Schostakowitsch. Zu den langjährigen ständigen Gastdirigenten des RSO zählt Heinz Holliger. Im Zentrum von Holligers RSO-Tätigkeit stehen Werke von Koechlin, die in einer viel beachteten CD-Edition erschienen sind.
Das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR ist auf den großen Musikpodien der Welt zu Gast. Dazu gehören Tourneen nach Japan und China und Konzerttourneen durch Europa sowie Gastspiele bei den BBC Proms. Internationale Einladungen führten und führen das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR u.a. in den Wiener Musikverein, nach Paris, London, Berlin, Zürich, München, Brüssel und Madrid, zu den Dresdner Musikfestspielen, zu den Salzburger Festspielen und zum Rheingau Musik Festival. Ein herausragendes, international hoch gewürdigtes Ereignis war das Konzert anlässlich des 80. Geburtstages von Papst Benedikt XVI. mit Gustavo Dudamel am Pult des RSO und Hilary Hahn als Solistin.